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"Noch dominiert Papier"Das Internet hält Einzug in die Baubranchevon Thomas Schulz Artikel in der FAZ-Verlagsbeilage "Architekur, Planen, Bauen" vom 27.02.2001 Als vor nunmehr fast einem Jahr der von überzogenen Erwartungen getriebene Börsenhype seinem Höhepunkt entgegenraste, wurde auch die Bauwirtschaft zunehmend Ziel neuer Internet-Unternehmen. Start-Ups und Zukunftsinvestitionen von Konzernen der Old-Economy aus den Bereichen Baustoffhandel, Bauunternehmen und Software sind angetreten, ein enormes Potenzial zu heben. Sie sensibilisieren zunehmend die gesamte Branche. Budgets im dreistelligen Millionenbereich hinterlassen den Eindruck, der rezessionsgeplagte Bau greife gerade nach dem letzten Strohhalm. Dem unbestritten großen Potenzial bei der Optimierung von Bauprozessen stehen enorme Herausforderungen gegenüber. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen, weist der Bau viel komplexere Beziehungsnetze mit einem sehr hohen Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen auf. Digitale SignaturWährend zum Beispiel in der hinsichtlich Produkt und Vernetzung weit übersichtlicheren Automobilindustrie elektronische Geschäftsverbindungen lediglich durch das neue Medium verknüpft werden müssen, fehlt digitalisierte Kommunikation in der Bauwirtschaft fast völlig. Die komplette externe Kommunikation läuft in der Regel noch übers Papier und wird auch firmenintern kaum strukturiert erfasst, und das bei allen Beteiligten: vom Planer über Generalunternehmer, Subunternehmer, Baustoffhandel bis zu den Herstellern der verarbeiteten Materialien und Produkte. Schnell wird deutlich, dass sich durchgängige, internetbasierte Prozessketten in der Bauwirtschaft weit weniger schnell realisieren lassen, als das heute noch so manchem Investor suggeriert wird. Im ersten Schritt werden durch die Nutzung des Internet Einsparungen in Teilsegmenten erreicht werden können, zum Beispiel durch eine Beschleunigung der Ausschreibung und Vergabe von Bauleistungen. Mehrere Millionen Ausschreibungen werden jährlich in Deutschland erstellt. Sie verkehren als dicke Papierstapel zwischen Planern und jeweils mehreren General- und Subunternehmern. Der zunehmende Einsatz von in diesem Bereich bereits seit längerem etablierten elektronischen Austauschformaten ist neben der Akzeptanz von digitalen Signaturen und Zeitschlössern die wichtigste Voraussetzung zur Umsetzung der Ausschreibung via Internet. Auch bei der Zusammenarbeit bei Planung und Ausführung können durch kürzere Laufzeiten von Plänen, zeitnahe Information und nachvollziehbare Dokumentation von Mängeln und Nachträgen Einsparungspotentiale erschlossen werden. Gerade bei Großprojekten und der hier oft praktizierten "baubegleitenden Planung" können teure Baufehler verhindert und der Einsatz der Unternehmen flexibler koordiniert werden, wenn sogenannte Projektkommunikationssysteme zum Einsatz kommen. Der Handel mit Baustoffen ist ein weiteres Kernthema, wenn über das Internet in der Bauwirtschaft diskutiert wird. Dem Bauunternehmer und Handwerker soll ein besserer Service geboten werden: Bestellung und Service rund um die Uhr, zeitnaher Abruf von Teillieferungen und Unterstützung der Kunden bei der Kalkulation sind nur einige Aufgaben, denen sich der Baustoffachhandel stellen muss. Heute sind noch nicht einmal die Prozesse zu den Zulieferern automatisiert. Grundlegende Standards elektronischer Kommunikation wie brancheneinheitliche Artikelstrukturen und eindeutige Artikelnummern werden erst seit kurzem vorangetrieben. Diese sind aber Voraussetzung, damit der Baustoffhändler mit seinen verschiedenen Lieferanten effektiv kommunizieren kann. Bei allen Visionen darf nicht vergessen werden: Kein Handwerker oder kein mittelständisches Bauunternehmen kann seine Mitarbeiter in der Nutzung von einem dutzend Portalen unterweisen. Das wirft die Frage auf, ob überhaupt ein Anbieter als eierlegende Wollmilchsau die Anforderungen der gesamten Bauwirtschaft im Internet abbilden kann. Viel wichtiger wird die Beherrschung von standardisierten Datenstrukturen und Schnittstellen zur Vernetzung von Anwendungen, internen EDV-Systemen, Portalen und Marktplätzen sein. Bauherr profitiertChancen gibt es für alle Beteiligten. Durch Prozessoptimierung spart jeder. Architekt und Bauleiter müssen sich mit weniger Baufehlern herumschlagen und können Projekte effizienter steuern. Bauunternehmen und Handwerker bilden virtuelle Arbeitsgemeinschaften und entziehen sich damit möglicherweise dem Druck der großen Generalunternehmer, die heute oft nur noch als Vermittler und Projektmanager agieren. Baustoffhersteller erhalten aktuelle Marktdaten und können ihre Produktion besser abstimmen. Am Ende hat auch der Bauherr etwas davon: effizientere Prozesse, weniger Fehler und kürzere Bauzeiten lassen hoffentlich bald auch die Baukosten sinken. |
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